Einem leitenden Arzt aus dem St. Anna Kinderspital wird vorgeworfen, EPO an Sportler weitergegeben zu haben.
Er rettet Leben. Er betreut krebskranke Kinder, er lacht mit ihnen, setzt die Clowns-Nase auf und spielt Tischfußball mit ihnen. Das alles im hoch dekorierten St. Anna Kinderspital, das auf eine 20-jährige Erfolgsgeschichte zurückblickt. Einem Mann wie ihm gebührt höchster Respekt.
Doktor Andreas Zoubek soll aber noch ein anderes Leben führen. Eines, das sich abseits des Krankenhauses zuträgt und das weit weniger zu tun haben soll mit dem medizinischen Ethos, dem sich der Kinderarzt verschrieben hat.
Ein medizinisches Doppelleben? Zoubek soll Medikamente weitergegeben haben, ohne medizinische Notwendigkeit. Medikamente, die zur Bekämpfung von Blutarmut bei Krebspatienten eingesetzt werden. Medikamente wie EPO, die der breiten Öffentlichkeit bekannt wurden in Zusammenhang mit Doping bei Ausdauersportlern, vor allem im Rad-Zirkus.
Die Vorwürfe
"Ich kann ausdrücklich sagen, dass Zoubek in einem bekannten Wiener Fitnesscenter EPO verkauft hat", sagt ein Athlet, dessen Name der Redaktion bekannt ist, in einem autorisierten Interview. Doch das ist nur einer von mehreren Vorwürfen, die mehrere Athleten und Szene-Kenner gegen Doktor Zoubek erheben.
Zudem liegt dem KURIER eine eidesstattliche Erklärung vor, in der es unter anderem heißt: "Zoubek hat immer wieder versucht, mich auf das Thema Doping festzunageln."
Oder:
"Was EPO angeht, kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass er damit etwas zu tun hat." Der Arzt als Doper? Der Arzt als Dealer? Der Arzt als Mixer, der an der Bar des Grauens Wundercocktails anbietet?
Zoubek ist empört. Er sagt: "Nein, nie!", als er vom KURIER am Freitagnachmittag mit den Vorwürfen konfrontiert wird. "Ich habe eine Idee, aus welcher Richtung das kommt," erklärt er. "Das ist eine Rachegeschichte, die da läuft."
Nachfrage: Stimmt es, dass Sie EPO an Athleten weitergegeben haben?
Zoubek: "Nein, natürlich nicht. Ich habe seit 15 Jahren mit EPO zu tun, als Forscher im St. Anna Kinderspital. Die Leute, die irgendetwas in Umlauf setzen, wollen den Michael Weiss, ein großes Lauf-, Rad- und Schwimm-Talent …"
Auf Augenhöhe
Andreas Zoubek, stellvertretender Leiter des St. Anna Kinderspitals, ist leidenschaftlicher Triathlet. Der 51-Jährige leitet einen eigenen Verein, der sich 99ers nennt und wie sein Gründer in Mödling beheimatet ist. Chef Zoubek schafft eine Ironman-Zeit von 9:36 Stunden, eine Marathonzeit von 2:58 Stunden.
"Plötzlich war er auf Augenhöhe mit viel Jüngeren", erzählt ein Zeuge auf Tonband. "Das ist ohne Doping ausgeschlossen."
Zoubek widerspricht: "Ich war früher Fußballer beim GAK. Ich habe eine gute Ausdauer, ich bin ein Talent, habe erst vor wenigen Wochen wieder an einem Ironman in Florida teilgenommen." Und überdies sei er in dem genannten Fitnesscenter, in dem er EPO verkauft haben soll, lediglich als Gewichts-Berater engagiert gewesen. "Seit Monaten sind Anschuldigungen im Umlauf", sagt Zoubek.
"Ich meine, das ist ja Wahnsinn. Da kommen Dinge zusammen, ich versteh’ das einfach nicht, was da draußen läuft. Das ist alles Quatsch." Niemals will der Mediziner zu Athleten gesagt haben, er könne sie ganz rasch viel schneller machen.
Niemals will der gute Ironman-Mann Athleten gefragt haben, ob sie "ganz vorne landen wollen, oder Mittelmaß bleiben."
Niemals, nein, niemals.
In Doktors Garten gedeihen jedenfalls wundersame Blüten. "Die Sportler erstarken wie Phönix aus der Asche", sagt ein KURIER-Informant. Michael Weiss ist Triathlon-Profi in Zoubeks Stall. Der Mödlinger war bis vor ein paar Monaten noch als Mountainbike-Profi unterwegs, wechselte nach verpasster Olympiaqualifikation ins Triathlonlager. Und siehe da, er entpuppt sich urplötzlich als Jahrhunderttalent.
Weiss hat die ersten vier Rennen, die er bestritt, überlegen gewonnen, zum Teil mit bombastischem Vorsprung. Der Durchbruch in die Weltelite gelang beim Half-Ironman in Monaco, wo Weiss Top-Leute, darunter Ironman-Weltmeister Chris McCormack, um zehn Minuten distanziert hat.
Zehn Minuten – in der Welt der eisernen Athleten eine halbe Ewigkeit. Tarnen und Täuschen Ein Top-Athlet meint: "Es ist unmöglich, fünf Rennen in Serie auf diesem Niveau zu absolvieren." Zoubek verweist hingegen auf das besondere Talent seines Schützlings. Sei’s drum. Tatsache ist, dass viel erzählt, aber aus Furcht vor den Hintermännern wenig offiziell zu Protokoll gegeben wird. Tarnen und Täuschen ist in dieser Szene das Um und Auf.
Auch Zoubek hat einen Decknamen. "Irondoc". Als solcher operiert er im Internet.
Quelle:
http://www.kurier.at/sportundmotor/266579.php
Artikel vom 16.11.2008 13:20 | KURIER | Erich Vogl / Rainer Fleckl

